Projekte im Bereich Atom (2017/2018) | forum wissenschaft & umwelt

„Friedliche“ und militärische Verwendung der Atomenergie

Die Stadt Wien und die Republik Österreich vertreten traditionell eine klare Position gegen die sogenannte „friedliche“ Verwendung der Atomenergie. In Österreich scheint es dazu keinen ersthaften Diskussionsbedarf mehr zu geben. Das trifft allerdings deshalb nicht ganz zu, weil Nachbarstaaten eine andere Politik verfolgen, die EU die Atomenergie u.a. als CO2-neutral sieht und fördern will und schließlich auch deshalb, weil die sogenannte friedliche Nutzung mit zahlreichen anderen Aspekten untrennbar verknüpft ist – militärischer Einsatz, ökologische Auswirkungen, humanitäre Folgen der Verwendung der Atomenergie samt den damit ausgelösten oder verstärkten Flüchtlingsbewegungen.Das Forum Wissenschaft & Umwelthat mit dem gegenständlichen Projekt Initiativen der Stadt Wien unterstützt und insbesondere dazu beigetragen, den untrennbaren Zusammenhang der „friedlichen“ mit der militärischen Verwendung der Atomenergie und daraus resultierende Probleme in Wien und Österreich und darüber hinaus bewusst zu machen und Fakten und Argumente dazu in die Diskussion einzubringen.

Mit finanzieller Unterstützung der Wiener Umweltanwaltschaft konnte am 04.05.2017 die Konferenz „Atomgefahren und die Rolle der IAEO“ realisiert werden.

Diese Veranstaltung im Wiener Rathaus sah unter den an die 90 Anwesenden zahlreiche interessierte und renommierte Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland (Stadt Wien und Wiener Umweltanwaltschaft, Ministerien, Wissenschaft, NGOs, Medien, …) u.a. mit Vertretern des International Peace Bureau, des Massachusetts Institute of Technology, ican France, sowie aus dem BMEIA. Besonders wirkungsvoll war der Austausch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Vorbereitungskonferenz zum Non-Proliferation-Vertrag. Diese Konferenz setzte damit einen wirkungsvollen Akzent durch die Verbreitung wichtiger Fakten zur Verwendung von Atomenergie. Die Rolle der IAEO wurde angesprochen und kritisch analysiert. Die bestehende Kritik an der widersprüchlichen Aufgabenstellung und Verhaltensweisen wurde aktualisiert, um eine kritische Betrachtung aktueller Programme insbesondere in der Landwirtschaft, aber auch sonstiger Vorgaben der IAEO sowie eine Analyse der Rolle der IAEO in den Iran-Verhandlungen zu ermöglichen.Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Partnern organisatorisch und von der Stadt Wien überdies finanziell unterstützt. Für die Stadt Wien nahm die Leiterin der Wiener Umweltanwaltschaft, Frau Doktorin Andrea Schnattinger, die Eröffnung vor. Mitarbeiter wirkten an den Diskussionen mit fundierten Argumenten mit. Die Position Österreichs brachte Botschafter Dr. Franz Josef Kuglitsch in die abendliche Podiumsdiskussion ein. Österreich hat ja eine führende Rolle in der „humanitären Initiative“ eingenommen –einer breiten Koalition von Staaten und Nicht-Regierungsorganisationen, die die nukleare Abrüstung vorantreiben wollen. Ein erster Erfolg konnte im Juli diesen Jahres mit der Beschlussfassung des Vertrags (wie zu erwarten war gegen die Stimmen jener Staaten, die über Atomwaffen verfügen) erzielt werden.

 

Im Jahr 2018 wurde mit finanzieller Unterstützung der Wiener MA 22 am 26.04.2018 die Enquete „Raus aus Atom“ durchgeführt. Das Forum Wissenschaft & Umwelt hat anlässlich des 32. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobylmit der Enquete „Raus aus Atom! Für einen weltweiten Ausstieg aus ziviler und militärischer Verwendung von Atomenergie“ und in deren Umfeld Wissen über die Zusammenhänge militärischer und ziviler Verwendung vonAtomenergie vertieft und weiter verbreitet, Zielgruppen aus Wissenschaft, Verwaltung, Nicht-Regierungsorganisationen, Diplomatie und die zu interessierende Öffentlichkeit angesprochen undeinbezogen, Auswirkungen der Atomwaffen-Technik auch bei Nicht-Verwendungaufgezeigt,die „humanitäre Initiative“, also die Koalition von Staaten und NGOs, die dienukleare Abrüstung vorantreiben wollen, unterstützt unddie Vernetzung ökologisch orientierter und friedensbezogener Nicht-Regierungsorganisationen untereinander gestärkt. Die Stadt Wien vertritt traditionell kompetent und engagiert eine klare Linie gegen die sogenannte friedliche Verwendung der Atomenergie. In Österreich scheint es dazukeinen ernsthaften Diskussionsbedarf mehr zu geben. Das trifft allerdings deshalbnicht zu, weil Nachbarstaaten eine andere Politik verfolgen, die EU in ihrer Energiestrategie Atomenergie unter anderem als CO2-neutral sieht und fördern willund schließlich auch deshalb, weil die sogenannte friedliche Nutzung mit zahlreichenanderen Aspekten untrennbar verknüpft ist –militärische Nutzung, ökologische Auswirkungen, humanitäre Folgen der Verwendung der Atomenergie bis hin zu damit ausgelösten bzw. verstärkten Flüchtlingsbewegungen sind Stichworte dazu.